Die Website “Psychoanalyse-Kritik” besteht seit dem 1. März 2010 und hat in wenigen Monaten über 11.000 interessierte Besucher zu verzeichnen. Für eine Fachpublikation wäre das ein erfreulicher kleiner Erfolg, für eine Website wäre es u.U. wenig – wenn die Seite nicht absichtlich auf einem einzigen Google-Suchwort aufgebaut wäre: Kritik an der Psychoanalyse. Gleichwohl erreichen uns Besucher über die Suchworte “Psychoanalyse schadet”, “Psychoanalyse verschlimmert Probleme”, “Psychoanalyse Opfer”, “Missbrauch Psychoanalyse”.
Das Thema ist virulent!
Therapieschäden
Petzold / Märtens schätzen die Quote iatrogener Therapieschäden in Therapien auf rund 10 % (Michael Märtens, Hilarion Petzold, Hrsg.: Therapieschäden. Risiken und Nebenwirkungen von Psychotherapie. Matthias Grünewald Verlag 2002) – eine gesellschaftliche Katastrophe! Und für die betroffenen Patienten eine individuelle, biographische sowieso.
Es gibt für Traumatisierungen durch die Psychoanalyse keine Beschwerdestelle (die Ärztekammern reagieren nur schleppend, die Verbände der Psychoanalytiker greifen nur in äußersten Fällen wie z.B. manifestem körperlichen Missbrauch ein, und auch vor den Beschwerdestellen der Krankenkassen hat der durchschnittlich traumatisierte Patient keine Chance: Ihre Fälle werden von Psychoanalytikern begutachtet, und da geht es zu wie noch vor zwanzig Jahren in der Medizin: eine Krähe hackt der anderen kein Auge aus), vor Gericht haben ihre Beschwerden keine Beweiskraft, und wenn sie anderen von ihren Leiden erzählen, schütteln die nur verständnislos den Kopf.
Wohin soll ein Opfer der Therapie sich wenden? Es stammelt, psychisch schwer getroffen, von seiner Verletzung, und niemand hört zu. Noch vor kurzem hat eine von mir sehr geschätzte Bekannte den – zugestandenermaßen: wüst zusammengeschriebenen – Bericht eines Betroffenen schlichtweg als “Mist” bezeichnet.
Therapieopfer: Betroffenenberichte
Umso wichtiger, mit der Zeit eine Anlaufstelle zu schaffen, in der Betroffene ein Stück ihrer eigenen Geschichte wiederfinden – und verstehen, dass sie nicht ein Einzelschicksal erleiden, sondern dass es viele, sogar sehr viele Betroffene gibt, denen es geht wie ihnen.
Mit den bisherigen hier veröffentlichten Texten, anspruchslosen Notaten, zum Teil Wutausbrüchen, zum Teil Geständnissen, zum Teil auch deprimierten, hilflosen Gegenreden gegen das, was ich selbst in zwei (!) destruktiven Therapien erfahren hatte – eben solche Texte, wie sie meine gebildete, aber eben auch in den Klischees der Bildung befangene Bekannte als “Mist” bezeichnet hatte -, habe ich viel Zuspruch erfahren: Sowohl von Opfern der Psychoanalyse, aber auch von progressiveren, liberaleren Therapeuten.
Natürlich habe ich auch einiges an überheblichem Spott von konservativeren Psychoanalytikern eingestrichen – also von jenen, die, kurz auf einen Nenner gebracht, der Kern des hier geschilderten Problems sind.
Die Psychoanalyse ist verroht – eine Schande
Meine These ist nicht neu – aber leider noch lange nicht durchgesetzt. Immer noch leben bundesweit ca. 19.000 Therapeuten von der Krankenkasse, immer noch werden von ihren geschätzten 600.000 Patienten jährlich rund 60.000 tief in ihre Persönlichkeiten eingreifend fehlbehandelt – ihre Symptome verschlechtern sich, ihre biographischen Aussichten ebenfalls, und die Kosten trägt die Allgemeinheit.
Zugespitzt: Die Psychoanalyse, einmal das beste, was auf dem Markt der intellektuellen Erkenntnissysteme zu haben war, ist durch Mindergebrauch in den falschen Händen auf den Hund gekommen, aus einer liberalen Erkenntniswissenschaft zu einer konservativen Überwältigungswissenschaft degeneriert, über Ausbildungsinstitute und persönliche Neurosen der Ausübenden, der Lehrer und des mittlerweile teilweise zu einem Dogmensystem geronnenen Lehrkanons psychoanalytischer Strategien und Taktiken zu einer Schule der Überwältigung von Patienten geworden.
Meine Bekannte hat das “Mist” genannt, und damit spiegelt sie sehr gut die allgemeine Meinung der gebildeten Öffentlichkeit wider.
Nach außen hin vertritt die Psychoanalyse in ihren besten Köpfen, liberalen Autoren, die sich regelmäßig auf die Seite der Aufklärung stellen, ein akademisch-aufgeklärtes liberales Ideal. Von der Ethnospsychoanalyse bis zur psychoanalytischen Literaturinterpretation hat die Psychoanalyse die Wissenschaften befruchtet, und wo findet man noch solche Erkenntnisse über das Seelenleben wie dort – ich könnte mich besoffen lesen an der funkelnden Intelligenz von Kohut, Cremerius, Erdheim, Miller (ob sie nun Psychoanalytikerin ist oder nicht), den Mitscherlichs, Moser, Freud selbst. So bekommen wir, die gebildete Öffentlichkeit, ein Image vermittelt, nach dem die Psychoanalyse sich dem Patienten widmet, ihre Erkenntnisse als Struktur der Fragestellung an den je spezifischen Fall des Patienten nutzend, und am Ende in Verständnis mündet, das auch der Patient teilt.
Und bei den – seltenen – Besten ist das wohl auch so.
Nach innen hin und im Normal-Alltag sieht das ganz anders aus, dort sind die Thesen der Stars durchaus im Kleinklein mediokrer Sektierer umstritten, und die Psychoanalyse selbst funktioniert nach ganz anderen Grundsätzen. Sie sollten einmal hören, wie Psychoanalytiker untereinander über ihre Patienten reden: Als wären die ihre Feinde! Dass das in der Therapie selbst, im Verhalten der Therapeuten gegenüber denen, die sich ihnen anvertraut haben, seinen Niederschlag findet, kann jeder Patient erleben, der einmal auf das Unverständnis des Analytikers gestoßen ist.
Das Schlimmste ist: Sie wissen nicht, bei wem Sie landen. Wo wurde Ihr Analytiker ausgebildet? Ist das ein liberaleres oder ein konservativeres Institut, welcher Schule gehört er an – und wenn er Neokleinianer ist, beispielsweise, was bedeutet das für Sie, als Patient? (Es bedeutet: Finger weg!) Und sind Sie, wenn Sie sich in einer Situation wiederfinden, in der Sie meinen, nun eine Psychoanalyse zu brauchen, überhaupt in der Lage, sich darum zu kümmern, wie sich der Analytiker vom Analytiker unterscheidet – wie sich ihre Theorien unterscheiden, und wie sich das auf Sie auswirkt?
Bewusste Beschädigung
Manche in neuere älteren Lehrbüchern zur Ich-Analyse veröffentlichten technischen Anweisungen sprechen sogar davon, den Patienten bewusst zu zerstören – um ihn dann wieder aufzubauen. Und wenn auch neuere Lehrbücher längst davon Abstand genommen haben: Viel zu viele Analytiker arbeiten nach den alten Prinzipien (das sollte in der Medizin mal ein Chirurg versuchen!), und Sie, als Patient, wissen nicht, was für einer Ihnen gegenübersitzt. Ich selbst habe in der Praxis eines meiner Analytiker ein zerlesenes Exemplar von Thomä/Kächeles Lehrbuch der Techniken gesehen – und dieser selbe Therapeut hielt es aber für nötig, mein literarisches Talent (und damit meinen erlernten Beruf) bewusst zu zerstören. Er war sogar der Meinung, mir damit neue Denkmöglichkeiten zu eröffnen – das Grausamste und Dümmste, was man sich vorstellen kann: Nimm einem Schriftsteller seine Sprache, und du eröffnest ihm damit neue Denkmöglichkeiten?
So wird die Psychoanalyse in viel zu vielen Fällen zu einem Bootcamp auf höherem Niveau, und der Patient, statt nach seinen eigenen Maßgaben wachsen zu können, wird zu einer Spielwiese für Psychotechnokraten der Schönen Neuen Welt. Meine Bekannte wollte es nicht glauben.
Auf diese Weise ist der Patient nicht Ziel eines Forschens, sondern Ziel eines halbgottgleichen, psychotechnokratischen Gestaltungswillens – Talente, Fähigkeiten, Emotionalität, Besondernheiten, liebenswerte Charaktereigenschaften des Patienten usw. werden sämtlich als Ausfluss der Neurose gesehen, sie werden radikal mitabgetragen, und der Patient, von Stunde zu Stunde immer neu mikrotraumatisiert durch größeres und kleineres Unverständnis, durch Anschreien, verbale Gewalt und Dekonstruktionen findet sich in einem psychischen Nirvana wieder, das ihn zutiefst beschädigt.
Ich habe es ja erlebt, wie ein Therapeut Charisma und Charme, Eloquenz und Witz, literarische Begabung und die Liebe zur Sprache geradezu als Krankheiten bekämpft hat. Für mich eine biografische Katastrophe. Natürlich gibt es auch andere Erfahrungen – geglückte Beziehungen zwischen Therapeuten und Patienten, die dem Patienten geholfen haben, sich selbst wiederzufinden und sich auf eine Art zu entfalten, die ihnen zuvor unbekannt waren. Von diesen Erfahrungen hören wir – die anderen Erfahrungen werden nicht veröffentlicht. Ein psychisch Zerstörter hält den Mund, er hat seine Sprache verloren, und auf jeden Fall das Gehör seiner Mitmenschen. Er verstummt. Dadurch wird er nach der Traumatisierung gleich noch einmal traumatisiert.
Therapieopfer: Das Verstummen der Beschädigten
Und wenn er doch etwas sagt, ist es “Mist”. Mir ist kürzlich ein Fall begegnet, in dem der Mut zum Sprechen sogar eine sich anbahnende Liebe zerstört hat. Die Partnerin verlor schlagartig den gesamten Respekt vor jenem, der sich in seiner Beschädigung Gehör zu schaffen suchte. Das Opfer der Therapie wird noch einmal zum Opfer.
Also schweigt man lieber, und die Katastrophe des Missbrauchs der Psychoanalyse für die emotionalen Bedürfnisse der Analytiker bleibt in der Öffentlichkeit unerkannt.
Psychoanalyse gilt weiterhin als liberal, und die Opfer bleiben im Schatten. Auch so funktioniert Teilhabe an der Bildung: Die Übernahme allgemeiner höherer Selbstverständlichkeiten, so wie in der Ernährungslehre lange galt, das Spinat Eisen enthielte – genauso glaubt meine Bekannte, dass die Psychoanalyse ein Instrument der Erkenntnis sei.
Das ist sie auch, zweifelsohne!
Und das macht die Sache so vertrackt. Leider aber ist sie eben zu großen Teilen (von einer liberaleren Psychoanalytikerin habe ich gehört: zu 50%) in den Händen der falschen Leute. Nicht jeder Mediziner oder Heilpraktiker, der eine Zusatzausbildung absolviert hat, muss auch ein guter Therapeut sein – und oft genug kochen diese ungenügend durchanalysierten Leute ihr privates emotionales Süppchen auf den Feuern ihrer Patienten. Emotionale Ausbeutung für den narzißtischen Glanz des Psychoanalytikers ist an der Tagesordnung – und Schlimmeres. Die Skandal des körperlichen Missbrauchs durch Psychoanalytiker, die in den 80ern und frühen 90ern die Öffentlichkeit erschütterten – Stichwort: “Als hätte ich mit einem Gott geschlafen”: Pope, K. & Bouhoutsos, J. (1986). Sexual intimacy between therapists and patients. Praeger, New York -, sind meiner Meinung nach nicht zufällige Einzelereignisse. Und selbst, wenn hier inzwischen Aufklärung und Selbstaufklärung, ein etwas dichteres Netz von Regeln, Bewusstsein, Kontrollen und Beschwerdemöglichkeiten geschaffen wurde, ist das doch nur ein Anfang. Denn bei all der Macht, die Therapeuten sich bei ihren Patienten zu veschaffen wissen (bewusst induzierte Abhängigkeiten, übergriffiges “Eindrängen” in die Eltern-Beziehungen, Paternalisierung und Pathologisierung, Winkelzüge der Dekonstruktion und Destruktion), ist jeder, und sei es noch subtiler psychischer Missbrauch an den Patienten für diese schlichtweg verheerend.
Ich selbst habe es erlebt – natürlich habe ich in meinen bisherigen Beiträgen zu dieser Website aus der Erfahrung heraus gesprochen (was meine Beobachtung ja nicht entwertet, sondern eher stützt), aber auch mein Sprechen darüber war korrumpiert. Ich sprach sozusagen noch mit eingezogenem Kopf, noch ganz beschädigt von den negativen Einreden der Therapeuten, noch zu sehr aus der Perspektive des Betroffenen – wütend, deprimiert, ängstlich, beschädigt. Kein Wunder, dass meine Bekannte, die von mir so geschätzte, so etwas als “Mist” bezeichnet. Aber das erschwert natürlich den Versuch, Gehör zu finden. Was gebraucht wird, ist nicht in erster Linie der Aufschrei (so berechtigt er auch ist), sondern die ruhige, klare Analyse, nicht der Hohn, Spott, die kristallene Härte des polemischen Kampfs um Gehör, sondern die argumentative Widerlegung.
Psychoanalyse-Kritik: Das Fehlen einer institutionellen Vertretung
Wer soll das leisten? Gerät man in den Schulenstreit der Psychoanalyse, kann man von außen kaum noch etwas beitragen – die Psychoanalyse mit ihrer über hundertjährigen Literatur-, Erkenntnis- und Schulentradition ist für Laien kaum noch zu überschauen.
Aber der psychoanalyseinternen Diskussion kann es doch auch nicht überlassen werden. 10% der betroffenen Patienten, die an der Beschädigung ihrer Therapie leiden, wollen, brauchen jetzt Gehör, um wieder Teil der Gesellschaft zu werden. Es gibt keine Institution, kaum Selbsthilfegruppen, keine Statistiken, die sie auffangen, die ihnen helfen, die sie überhaupt nur erfassen. Therapieabbrecher werden von Psychoanalytikern beschuldigt, selbst schuld zu sein, die Wahrheit über sich nicht hören zu wollen usw. – und die Öffentlichkeit (wie meine Bekannte) glauben so etwas oder Ähnliches brav nach.
Wer aufschreit, tut das immer unter dem Niveau der Psychoanalytiker selbst, die achtjährige Ausbildungen durchlaufen und jahrzehntelang Zeitschriften, Fachbücher usw. lesen – die massenhafte Traumatisierung von Patienten inmitten unserer Gesellschaft (die trotz all diesen Aufwandes Tatsache bleibt) bleibt Sache der Fachleute, und in der Öffentlichkeit, der die Fakten, ja, sogar das Problembewusstsein fehlt, wird all dies nicht diskutiert.
Angesichts dieser Umstände ist eine Resonanz von 11.000 Lesern zwar erfreulich, aber zu wenig.
Welcher betroffene Patient begibt sich in die Höhle des Löwen, sammelt die Argumente der Psychoanalyse und hält sein eigenes Erleben dagegen? Sich mit dem Schädiger verbinden, um ihn zu widerlegen? Der Beschädigte wird – Identifikation mit dem Aggressor – zu einem Teil dessen, was ihn beschädigt hat, um es zu erläutern … Ist das nicht ein bisschen viel verlangt?
Ist es.
Es existiert nicht einmal eine nennenswerte wissenschaftliche Beschäftigung mit dem Thema.
Re-Traumatisierung
Aber es ist es mir ein Bedürfnis, zumindest ein paar Schritte auf diesem Weg zu gehen. Immer noch gibt es keine Institution, die Therapieopfer auffängt. Und keine Öffentlichkeit, die etwas davon hören möchte.
Allein dadurch, dass ich hier das Unmögliche versucht hatte – als gebildeter Laie das, was meine Biographie so beschädigt hat, zu benennen, und mir nicht gefallen zu lassen, sondern mit Aufklärung, mit Humor, mit Spott meine Sprache wiederzu erringen, und dagegen zu halten! – , allein dadurch habe ich meine Bekannte (ja, ich habe von mir gesprochen) sogar verloren. Schlagartig sah sie mich durch die Website “Psychoanalyse-Kritik” in einem anderen Licht, bekam es mit der Angst zu tun, verlor den Respekt und die Verliebtheit: Wer mit bloßen Händen gegen die Waffen der Experten angekämpft hat, um seinen seelischen Untergang zu verhindern (und sei da auch nur ein Feld seines Lebens von vielen), der sieht eben nicht aus wie ein strahlender Held. Es hatte nichts mit ihr, nichts mit uns zu tun – aber sie lief halt davon. Die Strafe dafür, dass ich die Traumatisierung nicht einfach auf mir sitzen ließ, war die Re-Traumatisierung.
Solche Erlebnisse sind auch für andere Betreiber von ähnlichen kritischen Seiten der Grund gewesen, sich zurückzuziehen – z.B. die bekannte, großartige Forumssite von Jane Doe über false memory (therapeutisch eingeredete falsche Erinnerungen). Dagegen war mein Versuch hier nur ein kleines Licht, ein Aufschrei. Aber schon der Aufschrei hat mich ja den Respekt und die beginnende Nähe mit jener Bekannten gekostet – so stark ist die Psychoanalyse und ihre Basissätze (z.B.: Wenn dir so etwas passiert, hast du es unbewusst gesucht usw.) im allgemeinen Bewusstsein verankert. Irgendwann hast du nur noch die Wahl, zu verstummen, um die Reste deines Lebens zu retten – aber die verursachte Qual kannst du nicht mehr sozialisieren. Die furchtbarsten Erlebnisse deines Lebens – du kannst sie nicht mehr mitteilen, sonst zerstören sie mehr und mehr Bereiche deiner Biographie.
Oder du redest, und wirst wieder und wieder traumatisiert. Heute, fast zehn Jahre nach Ende der letzten, zerstörischen Therapieerfahrung, die ich machte, zerstört die öffentliche Rede darüber erneut meine sich leidenschaftliche anbahnende Beziehung. Ich bewundere alle, die so etwas durchhalten. Ich selbst allerdings wäre sehr viel lieber mit meiner Bekannten zusammengeblieben. Gerade erst erhole ich mich von den Beschädigungen meiner Gefühlswelt durch die Therapeuten, zum erstenmal seit über zehn Jahren kann ich mich wieder verlieben – und dann trifft mich die bittere Ironie, dass es ausgerechnet mein Versuch ist, mich von den Beschädigungen von der Psychoanalyse zu befreien, ohne feige das Maul zu halten, der mich dieser Liebe beraubt.
Ich werde daher die Website in dem Zustand, in dem sie bis jetzt ist, zunächst einmal abschalten – und nach und nach einige besser recherchierte, informative Artikel über die Psychoanalyse schreiben.
Die Authentizität der persönlichen Betroffenheit – und das ist das Einzige, mit dem der Laie sich in dieser Thematik legitimeren kann: mir wurde unrecht getan, Teile meiner Fähigkeiten wurden stark beschädigt: und immer noch haut der ganze Quatsch mir hinterrücks eins über! , – das geht dadurch natürlich verloren.
Revision der Website “Psychoanalyse-Kritik”
Aber seien wir ehrlich, die Website “Psychoanalyse-Kritik” standen befand sich sowieso im Zustand einer permanenten Baustelle – die Artikel waren durcheinander, wucherten kreuz und quer, wiederholten sich, waren analytisch, akademisch, stilistisch zum Teil nicht anders als unterirdisch zu nennen – früher oder oder später wäre es ohnhin Zeit gewesen, sie einer Revision zu unterziehen! (Ich hatte es sowieso vor, war sowieso unglücklich mit dem Zustand der Site – dass ich diese Revision gern unternommen hätte, ohne den furchtbaren Preis zu zahlen, den ich gerade zu entrichten habe – es gibt nichts Schlimmeres, als einen Menschen zu verlieren -, das steht auf einem anderen Blatt.)
Bis ich soweit bin, kann es einige Zeit dauern: Ich muss meine Brötchen verdienen. Deshalb sei – viel besser, fundierter, lesenwerter – zunächst einmal sei an dieser Stelle das Buch von Manfred Pohlen, Margarethe Bautz-Holtzherr empfohlen: Psychoanalyse, das Ende einer Deutungsmacht. rororo 1995.
Abschließend möchte ich mich bei allen Lesern und Besuchern der Website “Psychoanalyse-Kritik” für ihre Kommentare, ihre Einreden, ihre persönlichen Geschichten und ihre eMails an mich bedanken! Das Forum, das zwischenzeitlich hier stand, dann aber leider einem Spam-Angriff zum Opfer fiel, soll im Lauf der Zeit wieder eingerichtet werden. ich werde immer wieder darum gebeten, es zu eröffnen – einen Termin dafür kann ich leider noch nicht nennen; aber es kommt. Mögen andere ihre Geschichten schreiben – anonym. Ein Forum dafür brauchen wir auf alle Fälle!
Ich hoffe auf eine lebendige Diskussion dort. Bis dahin steht hilfsweise die Kommentarfunktion zur Verfügung – eine Auswahl bisheriger Kommentare habe ich eingestellt. Vielen Dank!

37 Comments
Eine Auswahl bisheriger Kommentare zur Website:
Quark ;o)
Hallo Farlif,
schön, dass Du auf meinen Beitrag eingehst. Wo gibt es denn bei anderen Psychotherapieverfahren Nachsorge nach abgebrochenen Therapien? Mir ist da nichts bekannt. Das wäre sicher sinnvoll, wird aber leider von den Kassen nicht bezahlt oder als Leistung angeboten.
Und ob der Chirung gut ist, stellt sich auch erst hinterher raus, so wie bei dem Professor aus Freiburg, der einen aus Rumänien angereisten Patienten ganz schlimm behandelte am Bein, sodass dieses amputiert werden musste. Es gibt Chirurgen, die stehen morgens noch mit erheblichem Restalkohol am OP-Tisch.
Und der Berliner Arzt und Psychotherapeut – kein Psychoanalytiker – bei dem Patienten zu Tode kamen, hatte auch keine Nachsorgemöglichkeit im Programm.
Das ist also für alle Ärzte und Psychotherapeuten empfehlenswert.
Wenn Behandlungsfehler stattgefunden haben oder bei sonstigen Beschwerden, helfen die zuständigen Kammern aber bereitwillig, zunehmend auch im Bereich Psychotherapie. An diese Institutionen kann und soll man sich wenden.
Kritische Patienten sind auch bei nichtpsychotherapeutischen Behandlungen wichtig, da nicht jede ärztliche Behandlung sach- und fachgerecht ist.
Machtmissbrauch ist allerdings ein Thema, das man sicher nur durch mehr Patientenaufklärung bekämfen kann. Diese Aufklärung sowie kritische Nachfragen seitens des Patienten nutzt jedem Therapieprozess, dem gelungenen wie dem schlechten oder missbrauchenden, jedem Therapieverfahren.
P.S “Nicht-Kontrollliertheit der Therapie” ? Welche psychotherapeutischen oder ärztlichen Verfahren verfahren denn in dem Punkt anders als die Psychoanalyse? Man könnte auch genausogut sahen Nichtkontrolliertheit der chirurgischen, zahnärztlichen, hausärztlichen Behandlung.Oder wurde eine missglückte Hausärztliche Behandlung systematisch ohneBeschwerde nachkontrolliert? Bitte um Aufklärung was Du da meinst.
Danke nochmals! Bevor ich für einige Zeit offline gehe:
Auch danke, dass du mein Bild vom Chirurgen aufgenommen hast. Dass allerdings der olle Schnibbler mit dem Restalkohol möglicherweise seine Zulassung verliert, der herumstümpernde Therapeut jedoch wohl nicht – das sollte schon bedenklich stimmen.
Der Hinweis auf andere Verfahren ist verführerisch, aber ich denke, hier sind wir bei der Psychoanalyse – sicher ist das Argument “wieso, meine Nachbarn schlagen ihre Kinder doch auch” kein ganz gelungenes -, und eben die tritt in ihren einzelnen zwar jeweils unterschiedlichen Vertretern, die sich dann aber doch immer wieder mit “Psychoanalyse” identifizieren (“ich bin Psychoanalytiker”: der spricht für die Psychoanalyse), mit einem ganz anderen welterklärerischen Anspruch öffentlich auf, als die anderen Verfahren es tun, und – siehe das Tinnitus-Beispiel in dem Artikel – vergiftet mit undifferenziert eingesetzten Dogmen nicht nur das Diskussionsklima, sondern auch – über ihre Multiplikatoren – siehe die Diskussion in Wikipedia – den Diskussionsstil in der Öffentlichkeit, und damit mittelbar den öffentlichen Denkstil.
Der Wirklichkeit nachspüren statt die Wahrheit fest im eigenen Besitz zu glauben – das ist schon eklatanter Unterschied.
Was die Beschwerdestellen der Krankenkassen und Kammern angeht – ich habe ja in dem Artikel schon angedeutet, dass ich das versucht hatte. Man bekommt Serienbriefe zurück. Bei einem Telefonat mit der zuständigen Ärztekammer war von Bereitwilligkeit nicht die geringst Spur – dort war man explizit der Meinung, man stünde als Ständevertretung auf Seiten des Arztes – und gab mir nicht einmal eine Information über den Ablauf des Verfahren. Also, diese Einrichtung sollte man nicht überbewerten.
An Farlif,
Ihre Darstellung liest sich schon an einigen Stellen recht eingeschränkt. Da mag ich gar nicht mitmachen, weil es offenbar nur um Ihre ganz persönliche Stoßrichtung geht, wie Ihre Antworten belegen. Auch wenn es Ihnen hier nur um Psychoanalyse-Kritik geht, sollten Sie doch die Psychotherapie als Ganzes nicht aus den Augen verlieren. Da ist wirklich manches ebenfalls kritikwürdig und sollte einbezogen werden oder zumindest in Ihren Antworten vorkommen.
Wo ist denn eigentlich Ihr Impressum, wenn Sie ein sich Ausweisen bei anderen fordern? Ich finde es nicht. Es sollte doch aber zu finden sein. Auch wenn Sie einwenden mögen, rein private Internetauftritte wie der Ihre seien von der Informationsverpflichtung des § 6 TDG ausgenommen. Sonst lassen Sie zumindest an diesem Punkt Fragen nach der Redlichkeit Ihrer Argumentation aufkommen.
neeneeneee … du wirst immer bösartiger je mehr posts es gibt von dir @ farlif schiebst es gerne und immer wieder auf andere hast damit echt ein problem und schon schwer mit deinem leben
wie krank wird das denn jetzt….
Ab wann soll das Forum denn funktionieren?
Hallo,
Da auf dieser Website die Bezüge zwischen Literatur und Psychoanalyse eine wichtige Rolle spielen, möchte ich hier auch anhand meiner Erfahrungen etwas schreiben:
Mein persönliches Erlebnis mit der Psychoanalyse stellte sich nach kürzester Zeit als Horrorfahrt herhaus und machte in mir mehr kaputt, als dass es Lebensmut und -freude entfaltete.
Skuriller Weise las ich letzten Sommer, einige Wochen bevor ich mich in Therapie begab Hesses Glasperlenspiel. Ich war begeistert von Schreibstil, Schönheit und Fantasie des Romans. Dennoch wurde ich nicht schlau aus dem, was Hesse eigentlich genau mit dem Glasperlenspiel verband. Ich suchte Bezüge zu den Ereignissen von Kriegs- und Nachkriegszeit, fand aber wenig schlüssige Zusammenhänge.
Nach dem Abbruch meiner zerstörerischen Analyse kommt mir diese Zeit vor wie ein schlechter Versuch des Glasperlenspiels mächtig zu werden. In beidem wird der Versuch unternommen nach einem objektiven Wahrheitsbergriff zu forschen und auf abstrakter Ebene Sinn und Zweck des Lebens zu analysieren.
Ich selbst probierte mich darin aus dem Spiel Wissen und persönlichen Fortschritt zu erlangen, verlor aber schnell als gescheiterter Schüler.
Mir scheint es, als habe sich selbst Hesse in seiner Schrift nicht mit dem Magister Ludi identifiziert, sonder sah in zunächst als Vorbild oder Leitbild. Betrachtet man aber das Ende des Romans, musste ich feststellen, dass der Magister Ludi an seinem Talent der Beherrschung des Glasperlenspiels zu Grunde geht. Es scheint als Josephus schliesslich durch die Beziehung zu dem jungen, kraftvollen und lebenspraktichen Schüler, der Lebensfreude an solch subtilen Dingen wie dem Schwimmen im Meer erhält, das ganze Spiel in Frage stellt. Mit dem Tod im Meer schliesslich muss selbst der höchste Meister aufgeben und bleibt hinter dem Jungen zurück.
Erst nach genauerer Recherche fand ich heraus, dass Hesse selbst 1914 den Analytiker Lang aufsuchte und mit diesem bis zu dessem Tode 1945 eine enge Verbindung pflegte.
In der Sekundärliteratur findet man aber weitestgehend Belege dafür, dass Hesses seine Erfahrungen mit der Psychoanalyse in den Romanen Demian, Steppewolf und Narziss und Goldmund verarbeitet; vom Glasperlenspiel ist nicht die Rede.
Nun, ich würde mich freuen über Austausch und Diskussion
Es fehlt in der Wikipedia übrigens ein guter Artikel zu Manfred Pohlen (und Bautz-Holzherr) und deren kritischer Revision der Psychoanalyse als “andere Aufklärung”; sicher keine anspruchslose Aufgabe, aber zu machen: Solide, sachlich-nüchterne Arbeit am Text statt Aufschrei des gequälten Herzens als remedium? -
(Das Selbstbewusstsein will schließlich auch seine Brötchen verdienen…)
Glück auf+Ahoi
2bears
Ach, da mögen Andere, Berufenere kommen! Zeit, wenn man hätte …
Trotzdem danke – und desgleichen!
Farlif
Hallo!
Gibt es hier noch ein aktives Forum?
Hat der Homepage -Betreiber eine Email-Adresse, die er zur Verfügung stellen kann?
Herzliche Grüße!
Oh, super, das hat ja sogar geklappt!
Ich kann das nur bestätigen, dass Psychoanalyse einen immensen Schaden anrichten kann. Die psychoanalytischen Verbände tun nur so als ob sie bei “gescheiterten” Therapie (wie es so schön verharmlost bezeichnet wird) etwas täten. In Wahrheit stehen sie im Zweifelsfalle hinter dem Kollegen/der Kollegin.
Sich an Ärzte- oder Psychotherapeutenkammern zu wenden, hat keinen Sinn, sie stellen sich schützend vor ihre Mitglieder.
ich empfehle zu diesem Thema mein Buch “Unordnung und spätes Leid” Bericht über den Versuch, eine misslungene Analyse zu bewältigen zu lesen. Verlag Königshausen&Neumann, 2004.
Forum – zur Zeit leider nein. Aber es freut mich, dass Sie danach fragen: Das motiviert! Danke dafür.
Beste Grüße!
Danke für die Empfehlung, Frau Akoluth!
Mir gefällt übrigens der Titel, der auf die Erzählungen Thomas Manns Bezug nimmt, die unter dem Titel “Unordnung und frühes Leid” erschienen sind.
Hier ist auch gleich der Link zum Buch (Amazon):
Warum “Finger weg” von Neokleinianern und wie/woran erkennt man die?
Ist das eine Fangfrage?
Nein. Dafür ist das Thema zu ernst.
Dann sagen wir es mal so, um nicht zu verallgemeinern und der einfachen Argumentation “jede Analyse ist anders” keinen Nährboden zu geben: Ich selbst bin an einen Neo-Kleinianer geraten, und meine “analytische Therapie” war, schlicht gesagt, eine Gewalterfahrung.
Das ist zehn Jahre her, und noch heute leide ich an den Folgen dieser Sitzungen, in die ich mit emotionaler Offenheit, intellektueller Neugier, Bereitschaft mich auf eine neue Erfahrung einzulassen und großer Achtung für mein Gegenüber hineingegangen war. Ich hatte eine schriftstellerische Arbeitsstörung (für die Einordnung: Ich habe zwei Studiengänge als Schriftsteller an den Unis Tübingen und Leipzig abgeschlossen, ich habe Literaturpreise gewonnen und hatte erfolgreich Theater, kurze Prosa, Hörspiel geschrieben), und ich hoffte, dass die Psychoanalyse mir helfen würde, diese zu verstehen und zu bewältigen. Ich suchte: Entfaltung meiner Persönlichkeit, meines Talents, intellektuelle Durchdringung.
Ich fand: Das Gegenteil. Leider bin ich nicht auf dieselbe Achtung auf der anderen Seite getroffen. Das Ziel jenes verbrecherischen Analytikers: Mich auseinandernehmen und nach seinem Gusto wieder zusammensetzen – wie in einem amerikanischen Bootcamp.
Man unterzog mich und meine Sprache einer vorsätzlichen Dekonstruktion – einem im Vorhinein geplanten Gewaltprogramm -, mein literarisches Talent galt als Ausfluss einer Neurose, meine Persönlichkeit spielte dabei keine Rolle.
Es wurde gehöhnt, geschrieen, bewusst falsch reformuliert, aggressiv mit Hass-Sätzen um sich geworfen. Wenn mir ein paar heftige Worte wie pseudoanalytisches Totengräbertum, Seelenmord und sogar Psychofolter dazu einfallen, wird es einen Aufschrei unter jenen mit der höheren Weihe geben: Wie kann ich! Und doch war es, leider, genau das.
Statt dass man mir geholfen hätte mich zu entfalten, hat man versucht, mich zu paternalisieren, zu dekonstruieren, zu destruieren – und das mit den dümmsten, durchschaubarsten Methoden.
Sogar das: Dass man mir signalisierte, dass so mit mir umzugehen angemessen sei, geschah noch auf eine herabwürdigende, demütigende, beschädigende Weise. Da kann man noch so lange von Empathie faseln – was die (es gab noch einen Folgetherapeuten) mir angetan haben, war nichts von dem, was wir so in der Öffentlichkeit über Psychoanalyse hören. Es war schlicht, und das meine ich buchstäblich so, ein Verbrechen.
Leider eines, das nicht bewiesen werden kann. Siehe mein Artikel – es gibt keine Zeugen, es gibt keine Kontrolle, man ist dem Good or Bad Will des Analytikers rettungslos ausgeliefert. Es gibt nicht einmal eine Dokumentationspflicht (z.B. Bandaufnahmen, die nur für den Fall eines Gerichtsstreits geöffnet werden müssen).
Ach ja: Und es waren Neokleinianer. Der erste war sogar ein neokleinianischer Lehranalytiker. Und – von anderer Seite, einer Therapeutin, die bei ihm eine Fortbildung gemacht hatte – hörte ich: “Da gehe ich nicht mehr hin. Der ist ein Sadist.”
Ein neokleinianischer Lehranalytiker, der seine Patienten streng nach Schule behandelt.
“Followers of Melanie Klein” als Übersetzung für “Neo-Kleinianer” – man muss sich diese Formulierung, die ich heute, auf Ihre Frage hin, im Internet gefunden habe, einmal auf der Zunge zergehen lassen.
Ich meine, es sagt über jenes paternalisiert paternalisierende, kurz, autoritäre Sektierertum eine Menge.
Warum fragen Sie?
Danke für die Antwort.
Das hört sich nicht gut an und muss für Sie eine sehr schlimme Erfahrung gewesen sein. Mir ist noch nicht klar, ob hier der theoretische Hintergrund der beiden Analytiker ausschlaggebend war oder eher deren möglicherweise mangelnde Kompetenz oder Persönlichkeitsstruktur oder anderes.
Ich habe u. a. gefragt, weil ich überlegt habe, wie sich Patienten vor ähnlichen Erfahrungen schützen könnten. In der Zwischenzeit ist mir dazu eingefallen, dass die Verbraucherzentrale dazu Hinweise gibt, die sich, glaube ich, auch in dem Buch “Therapieschäden” finden. Und ob man es mit einem Neo-Kleinianer zu tun hat, findet man heraus indem man fragt. Wenn der Therapeut sich weigert darüber Auskunft zu geben, ist das in der Regel kein gutes Zeichen, egal welcher Schule er angehört.
Ich vermute jedoch, dass sich die wenigsten Patienten Gedanken über Schadensverhütung machen werden, wenn sie eine Therapie aufnehmen. Die Therapeuten sind eigentlich per Berufsordnug verpflichtet über Risiken aufzuklären, wenn ich das richtig verstanden habe. Die Praxis sieht da wohl noch anders aus, das Thema wird eher nicht besprochen.
Ja, das ist wohl so. Ich habe Hilfe gesucht, und als Laie mich dem Experten anvertraut. Woher soll ich wissen, dass ein Neokleinianer schädlich ist, selbst wenn ich wüsste, dass es einer ist?
Das habe ich erst im Nachhinein gehört, und es ist Wissen aus dritter Hand. Damals wusste ich das nicht.
Was hört man, wenn man als Patient in eine Praxis kommt? “Das ist Ihr Raum …”. Und am Ende stellt sich heraus, es ist der unumschränkte Herrschaftsraum von Therapeuten, die sich mit der Machtstruktur ihrer psychoanalytischen Vereinigungen verbunden haben – Hierarchiehansel, die es gelernt haben, an der richtigen Stelle ihre Anpassung zu zeigen; nicht jedoch freie Persönlichkeiten, welche die freie Entfaltung der Persönlichkeit des Patienten befördern können. Ein intelligenter, humorvoller, kreativer, origineller Kopf wird in einem solchen Setting immer den Kürzeren ziehen: Er trifft auf die paternalisierte Struktur des Therapeuten, der auf die innere Freiheit des Patienten immer mit Rigidität antworten wird.
Das Schlimme bei meinen Neo-Kleinianern war nur: Sie hatten auch noch die passende psychoanalytische Schule dazu. Ob es jetzt der Neu-Kleinianer in meinen Therapeuten war … wie gesagt, das kann ich eigentlich gar nicht beurteilen.
Ich kann nur aus meiner Erfahrung berichten: Wenn der Patient einen Therapeuten fragt, nach welcher Schule er arbeitet, wird er wohl bestenfalls so etwas sagen wie “Ich habe bei vielen Schulen gelernt”, schlechtestenfalls zurückfragen, “warum wollen Sie das wissen?”
Meiner hat schwebend in die Ecke geguckt und gesagt, “tja! Wie wird es sein …”.
Das war alles. Das, was Therapeuten tun sollten und lernen – und das, was sie dann wirklich tun … das sollte man nicht verwechseln.
Hallo: Ein sehr gutes (aber altes) Buch zu diesem Thema lautet “Wenn Therapien schaden” von Hans Jörg Hemminger und Vera Becker, wobei Vera Becker ein Psychodonym ist. Erschienen im Rohwolt-Verlag schon in den 1980ern.
Die Einleutung dieser Webseite teile ich hier nicht. Es ist nicht etwas schlimmeres aus Freud Analyse geworden, sondern Freud selbst war Betrüger und Scharlachtan, er hat Patienten-Fälle gefälscht und eine psychoanalytische Geheimgesellschaft gegründet. Es ist eine Schande für unsere Gesellschaft, dass dieser als “großer edler Mann” gefeiert wird.
Wenn, dann gilt Ehre eher dem Joseph Breuer, er war mit Hypnose auf dem richtigen Weg, Freud konnte nicht hypnotisieren und verdrehte viele Ideen von Breuer aufs Heftigste!
Ich kann auch noch viel mehr schreiben habe jetzt aber keine Lust, also bei Interesse kann ich viele Deteils bringen, warum die Psychoanalyse jene Geistestkrankheit ist, für deren Therapie Sie sich hält.
So, jetzt mal ein paar grundlegende Dinge, genau die, die in dem oben empfohlenen Buch stehen.
Das Kernproblem der PA, der meisten “Tiefenspychologien” und einiger “humanistischer” Ansätze ist die “Nondirektivität” in der PA “Abstinenzregel” genannt. Das und nicht die Endeckung des “Unbewussten” ist das revolutionärste Element von Freud. Das Unbewusste/Unterbewusstsein haben schon viele Philosophen etc. früher entdeckt, diese wohl wahre Erkenntnis geht NICHT auf das Konto von Freud, obwohl der Mainstream das fast immer so dastellt.
So, in jeder somatischen Therapie egal ob Schulmediziner oder Heilpraktiker gibt der Therapeut klare Anweisungen und Ratschläge. In der PA hingegen darf der Therapeut gar nicht eingreifen, er bleibt im “Hintergrund” un der “Klient” muss ich gefälligst selber gesund machen. Hier mal ein Link dazu:
http://sgipt.org/th_schul/pa/glossar/abstin.htm
Sicher sind bestimmte Sicherheistregeln sehr sinnvoll aber das Verbot gezielt etwas mit dem Patienten zu machen bzw. dem Ratschläge oder sonstige Anweisungen zu geben ist ein Widerspruch in sich selbst. Wäre ich nämlich in der Lage mich ohne fremde Hilfe “selber gesund zu machen” wäre auch der Therapeut überflüssig und ich könnte das alles zu Hause meiner Wand erzählen. Es ist erstaunlich, dass so ein völlig offensichtlicher Widerspruch von der Therapie-Szene Jahrzehnte lang nicht bemerkt wurde. Das ist eine Geisteskrankheit der Szene-Jünger und NICHT der Patienten denen dieser Widerspruch auffällt, der aber eben als “Widerstand” gedeutet wird.
So ich teile mal hier weil mein ganzer Beitrag nicht durch den Spamfilter gekommen ist.
Teil 2:
Meine PA-Therapeuten hatten was gegen Hypnose und wohl auch gegen Verhaltenstherapie weil diese die Patienten angeblich manipulieren. Die Abstinenzregel in der PA wird hingegen als humanistische Emanzipation der Patienten (die nicht mehr wie bei anderen Therapien bevormundet werden) gefeiert! Das Gegenteil ist aber wahr! In Wirklichkeit gibt es keine Therapie ohne Manipulation. Manipulation heisst “Kunstgriff”, was sonst machte eine Therapie? Manipulation ist erst einmal wertneutral zu verstehen, natürlich gibt es auch eine Art von Manipulation die eben diese negative Belegung des Begriffes erzeugt hat. Genau solche passiert in der PA sehr oft.
Teil 3:
Wie gesagt ohne Manipulation oder auch “Führung” durch den Therapeuten geht keine Veränderung. Das Geheimnis ist hierbei eben die indirekte Steuerung. Ein PA-Therapeut schweigt und deutet und zeigt mit seinen nonverbalen Äußerungen was er von dem gesprochenen des Patienten hält. Da direkte Anweisungen fehlen versucht eben der Patient (der ja wissen will was er zu tun hat) (unbewusst) die Deutungen als Handlungsanweisungen zu verstehen. Hier entsteht eben eine ganz gefährliche Verdunklung von Macht, durch die Vordergründige “Abstinenz” muss ein Therapeut KEINE Verantwortung für Kunstfehler übernehmen sondern schiebt die Schuld am Versagen dem Patienten zu z.B. durch Widerstandsdeutungen.
Tei 4:
Hier wird es jetzt ganz perfide: Eine Widerstandsdeutung ist eine verdeckte Aufforderung eigene Schutzmechanismen zu bekämpfen. Dabei ist doch dieser Widerstand eine gesunde Reaktion eben auf den schädlichen Einfluss des Therapeuten auf den Patienten. Hier spielt das “Unbewusste” ein wichtige Rolle, dadurch dass dem Patienten nicht bewusst ist, dass eine Deutung eine Handlungsanweisung ist hat der Therapeut fast die Allmacht über den Patienten und muss noch nicht mal Kunstfehlerprozesse befürchten. Das ist wohl auch der Grund, dass es (anderes als in der somatischen Medizin) fast keine Kunstfehlerprozesse in der Psychoszene gibt.
So, das reicht erst einmal für heute, nächstes mal werde ich auch die merkwürdige Auffassung, dass eine Analyse, also Diagnose auch gleichzeitig die Heilung bewirkt kommentieren. Nennt sich offenbar “Junktim Dekret”!
http://sgipt.org/th_schul/pa/glossar/junktim.htm
Hallo,
in diesem Buch, das sicher schon viele von euch kennen, liefert Markus Fäh, Analytiker aus der Schweiz, Erklärungsansätze. Das Buch ist nun schon etwas älter, hat aber an seiner (traurigen) Brisanz nichts verloren:
Herr Fäh hat mir vor einiger Zeit geschrieben, dass es noch viel zu tun gäbe und er aus Deutschland viele Anfragen bekäme.
Tja, Abhilfe schaffe wäre da die notwendige Konsequenz.
Leider bekommt man das Problem nicht in wenigen Jahrzehnten in den Griff (meine Meinung).
Es gibt noch weitere gute Bücher zu dem Thema. Eine Literaturliste wäre mal spannend, muss mal gucken, wo ich die noch habe…..:-)
Hallo Mr Mindcontrol,
vielen Dank für den ausführlichen Kommentar, das sind sehr interessante Gedanken. Bei einigen Sachverhalten ist es leider noch viel schlimmer (sgipt.org ist m.E. leider keine besonders zitierfähige Quelle).
So schlagen z.B.
(praxeologisch abgefederte Anweisungsgruppe Nr. 1) über die Hintertür des pädagogischen Anteils, der laut Freud in jeder Therapie vonnöten sei, sehr wohl konkrete Anweisungen zu Buche. Bei der Macht, die Therapeuten bis dahin über die
(praxeologisch abgefederte Anweisungsgruppe Nr. 2) bewusste Herstellung der Übertragung gewonnen haben, gewinnen solche Anweisungen eine mitunter furchtbare Wirksamkeit. So hat mein erster Therapeut mir, der ich damals noch schriftstellerisch arbeiten konnte, ein literarisches Buch empfohlen. Natürlich habe ich es nicht gelesen! Wie hätte ich aus dem Schreibstil je wieder heraus- und zu meinem eigenen zurückfinden sollen? Ein kleines, aber feines Beispiel dafür, wie der Patient sich gegen die in-abstinente Übergriffigkeit des Therapeuten wehren muss.
Auch in Partnerschaftsfragen drängen sich (praxeologisch abgefederte Anweisungsgruppe Nr.3) die Analytiker ein, indem sie generell erst einmal versuchen, Trennungen zu verhindern oder umgekehrt unter bestimmten Bedingungen zu befördern.
Zu den Anweisungen an Analytiker, wie mit literarischem Talent umzugehen sein, gehört übrigens (praxeologisch abgefederte Anweisungsgruppe Nr.4) in bestimmten Schulen der Analyse auch die, es zu zerstören. Man könne den Verlust hinterher ja abtrauern …
Kurz, die Abstinenz ist nicht nur, wie von Ihnen gezeigt, in sich widersprüchlich – sie ist auch verlogen.
Soviel dazu. Allerdings sind 4 Kommentare in Reihe ein bisschen viel … Wie wäre es stattdessen mit einem moderierten Gastbeitrag? Ich lade Sie gern dazu ein. Viele Grüße!
Hallo Marie,
danke dir für den Beitrag! (Ich musste leider die Anrede kürzen, obwohl ich sie witzig fand.)
Was deine Literaturliste angeht – sehr gern, immer her damit
Viele Grüße!
- Margarete Akoluth, Königshausen & Neumann 2004
“Unordnung und spätes Leid”, Bericht über den Versuch, eine misslungene Analyse zu bewältigen. Vorwort: Tilman Moser. Nachwort: Siegfried Bettighofer
- Prof. Dr. med. et phil. Hilarion Petzold, Prof. Dr. phil. Dipl.-Psych. Michael Märtens, Matthias – Grünewald – Verlag 2002
“Therapieschäden, Risiken und Nebenwirkungen von Psychotherapie”
- Dr. med. Werner Tschan, Karger-Verlag 2005
“Mißbrauchtes Vertrauen”; Sexuelle Grenzverletzungen in professionellen Beziehungen. Ursachen und Folgen
- Dipl.-Psych. Ursula Mayr (Hrsg.), Pfeiffer bei Klett-Cotta 2001
“Wenn Therapien nicht helfen”, zur Psychodynamik der “negativen therapeutischen Reaktion”
- Sylvia Zwettler – Otte, Vandenhoeck & Ruprecht, 2007
„Entgleisungen in der Psychoanalyse” – Berufsethische Probleme“
- Dipl.-Psych. Wolfgang Siegel, Kreuz – Verlag 2003
“Tut mein Therapeut mir gut?”
- Dr. Christel Hafke, Rowohlt 1998
“Vertrauen und Versuchung”. Über Machtmißbrauch in der Therapie
- Eva Jaeggi, Klett – Cotta 2001,
„Und wer therapiert die Therapeuten?“
- Joelle Augerolles, Fischer Verlag 1991,
„Mein Analytiker und ich – Tagebuch einer verhängnisvollen Beziehung.“
- Renate Hutterer – Krisch, unter Mitarbeit von: Riedler – Singer R., Gutmann T., Hillebrand Veronika., Parfy E., Schleu A., Vetter J., Springer Wien New York 2007
“Grundriss der Psychotherapieethik. Praxisrelevanz, Behandlungsfehler und Wirksamkeit”
- Prof. Jeffrey M. Masson, Kore – Verlag 1995
“Was hat man dir, du armes Kind, getan?”
- Prof. Jeffrey M. Masson, Goldmann 1993
“Die Abschaffung der Psychotherapie”
- Helmut Kaiser, Walter Verlag 1996
“Grenzverletzung, Macht und Mißbrauch in meiner psychoanalytischen Ausbildung”
– Christa Gerhardt, Frieling Verlag 2002,
„Risiko Psychoanalyse“
- Themenheft PTT Persönlichkeitsstörungen Theorie und Praxis, Schattauer 1/ 2009
„Kann Psychotherapie bei Persönlichkeitsstörungen schaden?“
etc.
Vielen Dank für die Liste!
Falls Frau Akoluth hier nochmal reinschaut – habe versucht das buch zu bekommen – NO Chance, vielleicht klönnten Sie helfen? Oder hat wer anders dieses Buch zufällig und mag weiterverkaufen ?
Ist hier noch jemand? Ich habe mittlerweile “Entgleisungen in der Psychoanalyse” gelesen und finde, besonders der Beitrag von diesem einen DPVler lässt doch vorsichtig hoffen, dass sich in den nächsten paar hundert Jahren etwas verbessern wird.
In der Literaturliste fehlt “Blumen auf Granit” von Dörte von Drigalski, ein Bericht über ihre eigene Lehranalyse.
Das Buch ist ein Klassiker und einige Jahrzehnte alt, wurde aber noch mal neu aufgelegt, wohl weil das Thema weiterhin aktuell ist. Leute wie Frau Drigalski werden dann dafür, dass sie ihre Erfahrungen öffentlich machen, auch noch regelhaft pathologisiert.
Das Buch von Frau Akoluth gibt es in manchen öffentlichen Bücherhallen und es kann möglicherweise in Universitätsbibliotheken über den GBV-Katalog bestellt und ausgeliehen werden.
Sehr geehrte Damen und Herren,
sehr sehr Interessant es hat mir geholfen nicht zu einem Analytiker zu gehen.
ich Denke auch dass es mehr schadet als hilft warum alten Wunden aufdecken…
Mit freundlichem Iris Krause
Tja, wenn die Psychoanalytiker täten, was die Psychoanalyse verspricht – es würde vielleicht helfen! Aber so, wie sie es betreiben, scheinen sie viel zu oft alte Wunden durch neue zu ersetzen … Viel Glück Ihnen! SF
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